Wir befinden uns in der Fastenzeit 2020, kürzlich hat Papst Franziskus wegen der Corona Pandemie in einem historischen Anlass den Segen „Urbi et Orbi“ gespendet, in Österreich sind strikte Einschränkungen für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben sowie in den Bereichen Kunst, Kultur und Bildung verfügt worden und niemand weiß genau für wie lange. Mitte April beginnt mit Ostern die Zeit der Auferstehung, welche bis Pfingstmontag am 1. Juni andauert. Durch meinen festen Glauben hoffe ich, dass danach bereits wieder etwas Licht am „Ende des Tunnels“ zu erkennen sein wird.

Warum so viel überirdischer Bezug, könnte man sich vielleicht jetzt fragen, oder wo ist denn mein Vertrauen in die Kompetenzen der Fachleute geblieben?

In einer sehr fragil gewordenen Welt weiß ich schon länger nicht mehr, was wirklich richtig oder falsch ist und ob wir Menschen uns nicht eine Welt geschaffen haben, die etwas „aus dem Lot“ geraten ist und die wir nicht mehr ganz „unter Kontrolle“ halten können. Dabei bedenke man bitte, was in den letzten Jahrzehnten alles geschehen ist, ohne dass wir uns dies kurz davor noch vorstellen hätten können: der Fall der Berliner Mauer und der Zusammenbruch des Ostblocks, 9/11 und seine Folgen, ein riesiger Tsunami mit fatalen Folgen, die Finanzkrise und deren globalen Erschütterungen, die Aschewolke eines Vulkans mit Erlahmung des Flugverkehrs, Fukushima und seine Folgen in der Energiepolitik, die Flüchtlingskrise mit all ihren Auswirkungen, zahlreiche größere Protestbewegungen auf der Welt, etc. … und jetzt das Coronavirus. All das ist einfach irgendwie geschehen, ohne dass uns dies irgendjemand vorhergesagt hätte, obwohl wir in unserer fragilen Welt schon mit dem einen oder anderen rechnen hätten können.

Trotz so vieler weltweit vorhandenen Daten über alles Mögliche, gigantischer Rechnerleistungen und der künstlichen Intelligenz kommen wir jetzt vielleicht drauf, nicht die „Herren“ der Schöpfung, sondern nur ein Teil davon zu sein, und dass es neben der so „genialen“ Technik, sowie einem umfangreichen Expertenwissen auch noch so etwas wie Schicksal, Regeln der Natur, Hausverstand und das Menschsein gibt!

Durch das notbedingte weltumspannende Zusammenrücken besinnt man sich nun ja sogar wieder verstärkt des Bittens, Dankens und Verzeihens als Grundprinzipien des menschlichen Miteinanders.

Die jetzige Situation ist bedauerlicherweise wie sie ist und betrifft die ganze Welt, das richtige Konzept für die Lösung des Problems scheint nicht bekannt zu sein, große Sorgen und Ängste machen sich breit und wir beschäftigen uns mit dem Danach, ohne zu wissen, ab wann es dieses geben wird und wie es aussehen kann?

Ist es nicht gerade deshalb nachvollziehbar, wenn neben allen menschenmöglichen Bemühungen zunehmend auch wieder dem Gebet mehr an Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet wird, um aus dem Glauben an die Kraft des Gebets mehr Hoffnung und Zuversicht zu schöpfen?

Vermutlich bin ich nicht der Einzige, der das so sieht, und vielleicht führt die gegenwärtige Krise über die damit verbundenen Notlagen wieder in eine Gesellschaft, die nicht davon ausgeht, dass der Mensch alles selbst in der Hand hat, sondern akzeptiert, dass es auch noch Kräfte gibt, die auf die Lebenswelt des Menschen einwirken und sich seiner unmittelbaren Beeinflussung entziehen, seien es Naturgesetze oder der Geist Gottes, der bekanntlich weht, wo – und wie – Er will.

Ist es nicht auch für einen selbst manchmal eine Erleichterung, wenn man bestimmte Herausforderungen vertrauensvoll in andere „Hände“ legen kann, wie z.Bsp. eben der Natur, einem Schutzengel, der Mutter Gottes, einem Heiligen oder Gott selbst?

Als Gebote der Stunde erkenne ich Dankbarkeit für die wahren Helden der Gegenwart, Zusammenhalt, Geschlossenheit, Solidarität mit den Schwächeren und Engagement auch oder vor allem im Erbringen von stillen Diensten, sowie die Vereinigung im Gebet!

Außerdem kommt für mich als Österreicher, der Anfang der sechziger Jahre geboren wurde, noch etwas Wesentliches hinzu, nämlich große Dankbarkeit für den Aufbau unseres Landes nach den beiden Weltkriegen und die „sozialpartnerschaftliche“ Prägung, welche uns gerade jetzt zur Bewältigung der Krise extrem entgegenkommt. Tausend Dank für unser Gesundheitssystem mit den flächendeckenden Krankenhäusern und Ordinationen, die Rettungsdienste, das Bundesherr und die Zivildiener, die Pädagogen, das weit verbreitete und tief verankerte Engagement in der Ehrenamtlichkeit, den Generationen übergreifenden Zusammenhalt, eine von Nächstenliebe geprägte Herzensbildung, die Landwirtschaft mit so viel regionaler Versorgung, die Infrastruktur, die Kammern, stabile und soziale demokratische Verhältnisse, die verantwortungsvollen Medien und den staatlichen ORF, etc.

Ob wir wollen oder nicht, jetzt müssen wir uns alle miteinander zurücknehmen und Maß halten, wobei sich in Zukunft viele die Frage stellen werden, was dabei das richtige Maß und wie viel eigentlich genug ist? Auch um dafür Antworten finden zu können, werden wir vermutlich nicht umhin können, über Natur und Schöpfung nachzudenken.

Einhergehend mit dem Segen „Urbi et Orbi“ des Papstes wurde uns die Reinwaschung von unseren Sünden zuteil und aus dem mit seiner Ansprache verbundenen Aufruf zur inneren Umkehr der Menschheit, getragen von einem gestärkten Glauben, können wir immer wieder Hoffnung schöpfen. Vielleicht kann ja aus dem momentanen Mangel ein neues Verständnis für unser eigenes Leben entstehen, wobei dann vielleicht einiges als nicht mehr ganz so wichtig und sinnvoll erscheint.

Wenn wir alle am selben Strang und in dieselbe Richtung ziehen, werden wir es „so Gott will“ schaffen, aus dieser Krise wieder herauszukommen und die richtigen Lehren zu ziehen. Welche das sind, wird sich erst weisen, aber viele davon haben wir Menschen auch selbst in der Hand und wohl jeder wird sie für sich selbst ziehen müssen.

Dabei wäre es ratsam darüber nachzudenken, wie wir das „Pendel“ bzw. Ruder der Welt wieder in den Griff bekommen können und dadurch mehr Übersicht, Stabilität und Ausgewogenheit erlangen, sowie auch ein besseres Verständnis für Menschen in Notsituationen!

Nun sind wir nämlich alle irgendwie auch selber Betroffene einer großen Krise und sehnen uns nach Hilfe durch die anderen. Das sollte uns eigentlich vor allem deshalb zum nachhaltigen Umdenken führen, da wir gerade erkennen müssen, wie schnell das gehen kann und plötzlich alles auf dem Kopf steht.

Für die Zukunft bleibt mir einerseits zu hoffen, dass vieles von dem, was uns heute wichtig erscheint, auch erhalten bleiben kann und andererseits, jedem Einzelnen alles erdenklich Gute zu wünschen!